Ober- und unterschwellig: die wichtigste Weiche
Die EU-Schwellenwerte entscheiden, welches Vergaberecht gilt. Oberhalb der Schwellen (z. B. 221.000 € für Liefer- und Dienstleistungen öffentlicher Auftraggeber, 5,538 Mio. € für Bauaufträge) gilt EU-Recht: Verfahren erscheinen im EU-Amtsblatt TED und im Bekanntmachungsservice des Bundes. Unterhalb gelten nationale Regeln wie UVgO und VOB/A – und genau dort ist der Markt am unübersichtlichsten, weil Bekanntmachungen nur auf Landes- und Kommunalportalen erscheinen.
Die Verfahrensarten im Überblick
- Öffentliche Ausschreibung / Offenes Verfahren: Jedes Unternehmen kann direkt ein Angebot abgeben.
- Beschränkte Ausschreibung mit Teilnahmewettbewerb: Erst Eignung nachweisen, dann werden ausgewählte Bieter zur Angebotsabgabe aufgefordert.
- Verhandlungsverfahren: Auftraggeber verhandelt mit ausgewählten Bietern über Angebote – üblich bei komplexen Leistungen.
- Rahmenvereinbarung: Konditionen werden einmal vergeben, Einzelabrufe folgen über die Laufzeit – attraktiv für planbare Auslastung.
- Direktauftrag: Unterhalb von Bagatellgrenzen darf formlos beauftragt werden.
Eignung und Zuschlag: zwei getrennte Prüfungen
Eignungskriterien beantworten die Frage: Darf dieses Unternehmen anbieten? Dazu zählen Fachkunde, Referenzen, Umsätze und Versicherungen. Zuschlagskriterien beantworten: Welches Angebot ist das beste? Neben dem Preis zählen häufig Qualität, Konzepte oder Termine. Wer die Eignungshürde reißt, wird gar nicht erst gewertet – deshalb gehören Referenzlisten und Eigenerklärungen ganz an den Anfang der Angebotsarbeit.
Die wichtigsten Dokumente
- Bekanntmachung: die öffentliche Ankündigung mit Fristen, CPV-Codes und Eignungsanforderungen
- Vergabeunterlagen: Leistungsverzeichnis bzw. Leistungsbeschreibung, Vertragsbedingungen, Formulare
- Bieterfragen und Bieterinformationen: verbindliche Klarstellungen während der Angebotsphase
- Angebotsschreiben und Preisblatt: die eigentliche Offerte
Der beste Einstieg in den Markt: klein anfangen, unterschwellige Verfahren in der eigenen Region beobachten, aus jeder Abgabe lernen – und die Suche von Anfang an systematisch aufsetzen statt manuell zu recherchieren.
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